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Frauen sind zwar hochgradig multitaskingfähig, das heißt jedoch nicht, dass diese Vorgehensweise wirklich sinnvoll ist. Klar kann ich - so quasi nebenbei - das volle Workingmum-Pensum absolvieren und den Kram erledigen, der halt so anfällt, wenn Frau freiberuflich von zu Hause arbeitet, der Junior nicht in den Hort geht und Frau Mama hauptberuflich auch noch Köchin, Putzfrau, Seelentrösterin, Kinderanimateurin und Mädchen für alles ist. Das geht, aber ich frage mich gerade, wo dabei der Sinn ist. Ich beabsichtige, ein wenig die Balance zwischen meinen verschiedenen Rollen wiederzufinden und Zeitdieben - passend zur bald beginnenden EM - die rote Karte zu zeigen.

 

Derweil wird es hier - wie immer nur sehr kurzfristig- ein wenig ruhiger werden. Allerdings möchte Frau Daily-W. lieber vorher Bescheid geben, damit ihr nicht denkt, dass euer Feed-Reader ne Macke hat. :mrgreen:

 

Bis denn …

 

Gestern Nachmittag. Ein Besuch in der Bücherei, diesmal in der Erwachsenenabteilung. Beim Durchstreifen der Regalreihen bleibt mein Blick an einem Buch mit dem Titel „Mutter sein macht schlau“ hängen. Ungläubig nehme ich das knallgelbe, recht dicke Buch in die Hände und vergewissere mich, dass mir mein Verstand kein Schnippchen geschlagen hat. Tatsächlich „Mutter sein macht schlau“. Ich befinde mich übrigens in der Abteilung mit den psychologischen Büchern, nicht in der Fantasy-Ecke.

 

Die kleine Zicke in mir springt sofort an. „Was ist denn das für ein Schei … Schrott?! Im Umkehrschluss bedeutet das dann, dass kinderlose Frauen dumm sind?! Die besseren Jobs kriegen sie trotzdem. “Ich will auch dumm sein. Tausche Hirn gegen einen gut bezahlten Job“, grummele ich in Gedanken. Wobei … eigentlich will ich ja jetzt gar nicht mehr tauschen, weil ich im Moment ganz zufrieden bin. Trotzdem: Mein Weltbild gerät innerhalb von Sekundenbruchteilen ins Wanken. Im Klappentext erfahre ich, dass ich mein Hirn gar nicht bei der Geburt des Juniors verloren habe. Shit. Das war das tatsächlich die Plazenta, die dort auf den Fußboden geplatscht ist. Meine Gehirnzellen haben sich am Tag der Geburt also doch nicht so verhalten, wie ein vernachlässigtes Tamagotchi.

 

Sie sind noch da?!

 

Sie sind noch da! Sie leben!! Ich bin gar nicht … blöd?!

 

Oh mein Gott. Ich hatte tatsächlich gedacht, dass mein Gehirn von den Ausdünstungen der zig millionsten Kackack-Windel zerfressen wurde. Oder auf dem Spielplatz im Sandkasten beerdigt wurde – nachdem es den millionsten Sandkuchen gebacken hatte und sich dann mit einer Plastikschaufel sein eigenes Grab gebuddelt hat. Nun lese ich so was …

 

Der böse - oder kinderlose - Leser mag an dieser Stelle denken, dass diese Theorien ähnlich haarsträubend sind, wie die Suppenstudie oder weitere Tests, von denen ich hier berichtet habe. Das sehe ich auch so. Kompletter Schwachsinn - aber es ist mir wurscht. Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? Als Mama wird man - besonders im ersten Jahr - so oft als intelligenzbefreites Muttertier betrachtet, dass ich auf diesen Kram natürlich sofort anspringe. Späte Rache. Natürlich gibt es nur eine Handlung, wenn Frau Mama ein derart revolutionäres Buch in die Hände fällt. Sie klemmt sich das Buch unter den Arm, lässt sich bei dessen Lektüre das Mama-Ego ordentlich aufblähen und ist vom Schein ihrer Intelligenz geblendet. Hat mal jemand eine Sonnenbrille?

 

Is so hell hier … :mrgreen:

 

So, und weil es jetzt so hell hier ist, dass ich ohne Sonnenbrille eh nix erkennen kann, läute ich mal ein langes Blogwochenende ein. Erholt euch schön und genießt die letzten Sonnenstrahlen, ehe das angekündigte Mistwetter die frisch erblühten Frühlingsgefühle im Regen ertränkt.

 

müssen doch nun echt nicht sein. Ich kann sehr gut ohne DSDS, ungezieferfressende XYZ-Promis, heulende Twiggy-Verschnitte und sonstigen - vom Privatfernsehen produzierten - Ramsch leben. Dafür ist mir meine Zeit viel zu schade. Soviel habe ich nun auch nicht mehr davon. Von der Zeit, meine ich. Ich bin schon 36 und niemand lebt ewig.

 

Dem Junior steht zum Glück noch mehr Zeit zur Verfügung. Allerdings hat er Hirn zu verlieren, bzw. gilt es, das vorhandene Hirn zu schützen und darauf aufzubauen. Gut, vor dem Problem mit dem Hirnverlust stehe ich zwar auch – aber ich will nicht näher darauf eingehen. Und überhaupt: Wie soll ich denn etwas vermissen, wenn ich nicht weiß, ob ich es jemals besessen habe? Geht das?! Ich verspüre manchmal so ein leises Ziehen, eine Leere. Ein Gefühl, welches mir suggeriert: Da könnte noch mehr sein…

 

… aber so lange du dir über diese Leere Gedanken machen kannst, ist nicht Hopfen und Malz verloren.

 

Ich verfüge glücklicherweise über genügend funktionstüchtige Hirnmasse, die mir sagt, dass oben erwähntes Ramsch-TV nicht dazu geeignet ist, die Hirnzellen des jungen Herrn W. in geeignetem Maß zu anzuregen. Also läuft der Schrott bei uns nicht. Davon abgesehen liegt der Junior zu dieser Zeit eh schon im Bett und könnte es nicht sehen – selbst wenn ich es erlauben würde. Nun gibt es diese seltenen, glückseligen Tage und Nächte, an denen der Junior anderswo sein Unwesen treibt. Diese seltenen, glückseligen Momente sind allerdings untrennbar mit der unglückseligen Tatsache verknüpft, dass Junior bei seinen Kurzzeit-Pflegeeltern genau diese Dinge anschaut, die bei uns nie laufen. Er darf dort glotzen, bis zum bitteren Ende. So erhalten wir am nächsten Tag ein völlig unausgeschlafenes, dank Schlafmangel sehr unleidliches Kind zurück, welches in den nächsten Tagen sehr oft von DSDS oder wahlweise dem neuesten Raab-Schwachsinn erzählt. Auch den einen oder anderen Seitenhieb auf meine rabenmütterlichen Qualitäten kann er sich nicht verkneifen. Was soll’s. Ich habe meine Meinung zu diesem Thema und die ändert sich diesbezüglich erst, nachdem ich einer Gehirntransplantation unterzogen wurde.

 

Sonst registriere ich, dass sich die Altersmildheit in erheblichem Umfang bei mir breitmacht. War ich früher auf 180 [x 10] wenn der Junior anderswo all die Dinge machen durfte, die Zuhause untersagt sind, atme ich heute einmal tief durch und denke…

 

… bösartige Sachen, die meinen Lippen – ganz im Gegensatz zu früher – selbstverständlich niemals nie entschlüpfen würden. Mittdreißiger, die sich freiwillig derartigem Mist aussetzen, sind doch schon genug gestraft. :mrgreen:

 

Ach ja…

 

Ehe ich mir jetzt den Hass aller Ramsch-TV-Gucker zuziehe: Steinigt mich noch nicht! Auch ich war eine von euch. Ich gestehe: Ich verfolgte die erste BB-Staffel - die vor ungefähr 100 Jahren lief - und zog mir die zweite Staffel GT mit dem göttlichen Bruce rein. Das langt dann aber auch für die nächsten 100 Jahre. :cool:

 

Edit: Mensch, ich fang gleich an zu weinen. Ehrlich. Neulich wurde mir unterschoben, dass ich zur neuen Handarbeitskönigin mutieren würde - nur weil ich mir den Mist für Recherchearbeiten ins Haus geholt habe. Nun stellt man mich in die Ecke der BB-Glotzer. :evil: Ich werde in mich gehen und meine Schreibtechnik verfeinern. Eines Tages schreibe ich so, dass man mich versteht… wenn ihr mich denn richtig verstehen wollt:mrgreen:

Herr W. und ich woggen – getreu dem Projekt „Sportsack“ – unsere übliche Strecke entlang. Nach gut einem Dreiviertel der Strecke mustert er mich und sagt anerkennend: „Du hast aber eine schöne Gesichtsfarbe.“ Da er mit seinen Komplimenten so sparsam umgeht, wie unser Finanzsenator mit den ihm anvertrauten Kröten, sauge ich diese wunderbaren Worte so gierig auf, wie ein verdörrtes Wüstengewächs. Ich strahle ihn an und freue mich darüber, dass meine neue Creme mir offensichtlich so rasch einen Sommer-Teint gezaubert hat. Gut gelaunt teile ich ihm mit: „Das ist meine neue Creme. Die zaubert eine gesunde Gesichtsfarbe. Kannst du auch sehr gerne mal benutzen. Ein bisschen Farbe im Gesicht würde dir nicht schaden. “

 

Das letzte Viertel des Weges laufe ich wie auf Wolken. Wie eine kleine Frühlingsgöttin schwebe ich über Stock und Stein und fühle mich wahnsinnig schön. Zu Hause angekommen führt mich mein Weg sofort vor den Spiegel. „Oh Gott! Ruft doch jemand einen Doktor! Ich werde sterben! Ich habe einen Schlaganfall, einen Sonnenstich oder sonst irgendwas, was sich mit einem knallroten Schädel äußert …“ Ich fluche still in mich hinein und gifte laut: „Mann. Das ist doch keine gesunde Gesichtsfarbe. Das ist nicht braun – das ist rot. Ich sehe total beknackt aus. “ Herr W. steckt den Kopf ins Bad: „Ach ja? Für mich ist das braun.“ Die passende Antwort auf diese offensichtliche Farbblindheit folgte sofort: „Du blöder, gemeiner Blindfisch. Zum Hochzeitstag schenke ich dir eine Brille. Du bist ja halb blind…“

 

Männer….

 

Notiz an mich: Dem Herrn W. besser doch keine Brille schenken. Was ist, wenn er nun nach Jahren die Frau an seiner Seite zum ersten Mal mit 100%iger Sehschärfe mustert?! Der Mann bricht doch weinend zusammen… :shock:

… wird lang, länger, am längsten. Das ist unpraktisch und unnütz, weil ich einfach nicht überall vorbeischauen kann und auch nicht den Preis für die längste Blogroll gewinnen will. In letzter Zeit machte mir der Blick auf die Blogroll ein schlechtes Gewissen, weil ich dachte: “Verdammt. Da wolltest du auch unbedingt mal wieder vorbeischauen…” Für mich ist das Ding nämlich eine persönliche Gedankenstütze und kein “Statussymbol” nach dem Motto “Schau mal, wen ich alles verlinkt habe…” Sie erinnert mich daran, bei wem ich wirklich regelmäßig mitlesen und kommentieren möchte. Ich gehöre tendenziell nicht zu den stillen Mitlesern, sondern zu denen, die krankhaft mitsenfen müssen. Ich habe auch kein Prinzip hinter meiner Blogroll. Sie hat ein Eigenleben. Alles, was mir gerade gefällt - aus welchen Gründen auch immer - wird verlinkt. Einfach so. Egal, ob ein Gegenlink erfolgt oder nicht. Egal, ob die Personen überhaupt bei mir mitlesen und kommentieren, oder nicht. Ich habe die Blogroll jetzt ein wenig gekürzt und angepasst, manches in die Favoriten verlagert. Es ist nicht meine Absicht, irgendjemandem auf die Füße zu treten… aber manchmal lässt sich das einfach nicht vermeiden.

 

Nur mal rein interessehalber: Wie haltet ihr das so mit eurer Blogroll? Regelmäßig aktualisieren? Neuzugänge groß ankündigen oder nur “einfach so” dazufügen? Fühlt ihr euch auf den Schlips getreten, wenn euer Blog aus einer anderen Blogroll fliegt oder ist das für euch Kindergarten-Niveau?

Ich wünsche mir das, was sich alle faulen Säcke wünschen: Eine sportliche, durchtrainierte Figur, die nicht durch Schweiß und Arbeit geformt wird, sondern durch das Stemmen eines Buches, das Betätigen der Fernbedienung, das Rutschen von einer Arschbacke auf die andere und das Genießen von einem Glas Wein am Abend.

 

Ich bin zwar faul aber nicht blöd und habe erkannt: So wird das nichts. Hoch den Arsch, runter von der Couch, rauf auf den Joggingpfad, weg mit Alkohol und Chips. Frage mich gerade, ob man das noch Leben nennen kann?! Bloß gut, dass der Matratzensport nicht gestrichen werden muss… Alleine der Gedanke an diese Ge- und Verbote treibt mir die Schweißperlen auf die Stirn, so unsportlich und genusssüchtig bin ich. Nun gut. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Auch aus dem ehemals sehr sportlichen Herrn W. ist mittlerweile ein fauler Sack geworden, der nun gerne wieder zum Sportsack mutieren würde. Immerhin wissen wir, dass wir uns nach dem Sport besser fühlen, irgendwann wohl auch besser aussehen werden. Wenn wir nicht vorher auf dem sandigen Waldboden zusammengebrochen sind und von den fetten, schwarzen Käfern im Wald beiseite geschafft worden sind.So ein fetter Käferhappen wird den Viechern schließlich nicht jeden Tag serviert.

 

Herr W. und ich haben beschlossen, unserer Leben ein bisschen auf sportliche Touren zu bringen. Außerdem müssen wir der Wahrheit ins Gesicht sehen: Wir sind mittelalt. In diesem Alter verzeiht der Körper die Dinge nicht mehr, die er vorher locker weggesteckt hat. Weil ich das weiß - dem Herrn W. das noch beibringen werde - und Ärzte hasse, gibt es nur eine Alternative:präventives Schwitzen.

 

Fazit Sportwoche 1:

  • Vorgestern durch den Wald gekrochen mit 0,1 km/h. Vielleicht waren es auch 0,2 km/h - währenddessen von einem Paar überholt worden, welches – pro Nase - mindestens 20 Jahre mehr auf dem Buckel hatte, als ich und offensichtlich gefühlte 200 Prozent mehr Kondition. Kaum hatte ich mich von dem Schock erholt, sah ich es flitzen: Mein Ego. Dem war es peinlich, derart bloßgestellt zu werden, dass es den kleinen Däumling niedergeknüppelt hat, um ihm seine Siebenmeilenstiefel zu klauen. Dann flitzte es los. Fest entschlossen, vor meinem Schweinehund und mir die Ziellinie zu erreichen. Ich kann mich nicht mehr dran erinnern, ob ich mein Ego noch eingeholt habe oder nicht. Erst musste ich den heulenden Däumling trösten, anschließend war ich zu sehr damit beschäftigt, eine nur mittelmäßig miserable Figur abzugeben. Ich legte immer dann einen kurzen Sprint ein, wenn mir wieder ein durchtrainierter Jogger entgegengeschwitzte.

 

  • Sport ist Mord. Habe mir die ersten fiesen Blasen dieses Frühlings eingefangen. In Turnschuhen… Die Socke schrubbelte am 2. Trainingstag ab Kilometer 1 reibeisengleich über die Achillesferse. Ab Kilometer 1,5 hätte ich fast geweint. Ich rechnete fest damit, den Wald nur noch mit einem Fuß verlassen zu können, weil der andere von der Socke zerhäckselt werden würde. Meine Einbeinigkeit hätte ich als Sportunfall deklariert. Ich hätte überall rumerzählt, dass es beim Iron(wo)man Wettbewerb ein kleines Missgeschick gab… oder so. Wer gibt schon zu, dass er beim Joggen die falschen Socken angzogen hat?! Na eben. Wenn mein Messer eines Tages den Geist aufgibt, werde ich das Brot mit meiner Socke schneiden… wenn ich das Blut noch irgendwie rauswaschen kann.

 

Ich registriere, dass ich meine Kondition in den vergangenen Monaten extrem heruntergefahren habe. Ich glaube, fast, dass ich sie getötet habe und mir besser eine neue kaufen sollte. Trotz allem: Da geht noch was. Und zwar eine ganze Menge. Ich bin fest dazu entschlossen, ein kleiner Sportsack mit einer Wahnsinnsfigur zu werden, den man nicht nach einem kurzen Sprint im Sauerstoffzelt aufpäppeln muss. Wenn’s zum Joggen noch nicht reicht, dann wogge ich eben. Ein bisschen walken, ein bisschen joggen - und die Joggingintervallen langsam aber sicher ausbauen. Immerhin bin ich heute schon deutlich mehr der Strecke gejoggt, als bisher. Das ist allerdings auch kein Kunststück, da ich bisher nur gewalkt bin… Bis zum Herbst werde ich diese 5 Kilometer lange Strecke durchjoggen - ohne zu kollabieren. Passend dazu gibt’s die richtige Musik, mit der ich meinem Schweinehund einen gepflegten Knock-out verpassen werde. Nun lasse ich einen wunderbaren Feiertagsmontag entspannt ausklingen. Auf der Couch. Mit einem Buch. Denn: Ich habe es mir verdient. :mrgreen:

 

 

Ooooh…

da scheint doch selbst im tiefsten Stimmungstal die Sonne. :-)

 

Erst hat mich - und hoffentlich noch viele weitere Leser - der Herr Maak mit seinem herrlichen Freitagseintrag wie üblich zum Lachen gebracht und dann bringt mir der Postbote - Gott sei Dank nicht Mr. Glotz - ein sonnengelbes Buch, welches auf meiner Wunschliste ganz oben gestanden hat. [Ich registriere: Die Adresse scheint nun zu stimmen. Zeit wird's ja.] Passend zu meiner… undefinierbaren Stimmung schenkt mir eine liebe Mitbloggerin, die hartnäckig allen Widrigkeiten des Wunschzettels getrotzt hat, das passende Lesefutter. “Change - Lust auf Veränderung”. Danke dir ganz doll, liebe Steffi. Ahnst ja gar nicht, wie goldrichtig mir dieses Buch gerade ins Haus flattert. Ich hoffe, dass ich in ein, zwei Tagen - also nach der Lektüre dieses Buches - wie ausgewechselt bin, weil…

 

… ich nämlich auch noch an Wunder glaube. :mrgreen:

Da ist es wieder. Das kleine Teufelchen wütet in meinem Kopf herum, als wollte es dort oben alles in Schutt und Asche legen. Es aktiviert mein Selbstzerstörungsprogramm, von dem ich geglaubt hatte, dass ich es in mühevoller Kleinarbeit deaktiviert hätte. Denkste. Ist noch da und funktioniert wie eh und je. Ich falle in alte Verhaltensmuster zurück und zerbreche mir den Kopf über längst vergessen geglaubte Dinge. Unschön. Ärgerlich. Nutzlos. Das einzig Gute daran ist, dass mich dieser rumpelstilzchengleiche Teufel nicht mehr komplett aus der Spur wirft. Hoffe ich. Ich weiß, dass ich im Moment jeden Gedankengang dreimal überprüfen muss. Jede Handlung wird überschlafen. Wichtige Entscheidungen nicht getroffen. Ich verweigere meinem fremdgesteuerten Verstand die Mitarbeit, solange er glaubt, komplett neben der Spur laufen zu müssen.

Ich ahne, dass mir mein Vater damals seine latente Neigung, immer an sich selbst zu zweifeln und alles in Frage zu stellen, mit auf den Weg gegeben hat. Hätte er mich mal vorher gefragt, ob ich den Mist haben will. Wenigstens gab er mir auch den nötigen Verstand, um diese Querschläger zu erkennen und mich gegen sie zu wehren. Wenn ich ihn das nächste Mal auf dem Friedhof besuche, werde ich ihn fragen, ob er seine Mitgift wiederhaben möchte. Ich kann sie nämlich nicht gebrauchen und ihm schadet sie nicht mehr. Noch weniger kann ich es allerdings gebrauchen, dieses Blog mit Psychomüll zu überfluten. Darum erlege ich mir für dieses verlängerte Wochenende eine Schreibsperre auf. Selbstschutz. Blogschutz. Euer Schutz. :cool:

Euch wünsche ich ein schönes und entspanntes Wochenende. Und falls ihr ein wenig gute Laune übrig habt - oder sonstige Dinge, mit denen ich meinen Teufel niederknüppeln kann - dann schickt mir was davon vorbei. Gerne nehme ich auch ein Quentchen Selbstüberschätzung, falls jemand zuviel davon hat. :-)

 

Edit: Video getauscht - nun funktioniert’s wieder. Falls es jemanden interessiert. Youtube ist ja noch zickiger, als ich. Unglaublich. :roll:

 

Ich stelle mir vor, dass es mich auf eine einsame Insel verschlagen hat. Auf diese einsame Insel darf ich nichts mitnehmen. Nur meinen MP3-Player, der mit 5 Songs bestückt ist. Welche Songs das sind, möchte die liebe Bonafilia von mir wissen. Sie hat mich nämlich mit einem Stöckchen bedacht, welches ich – weil ich dafür keine Fotos von mir selber einstellen muss – einfach mal annehme.

 

Na gut, Bonafilia. Du hast es so gewollt. Ich höre – nicht nur auf der Insel – sondern immerzu:

 

Disturbed: Down With The Sickness

Disturbed: Suns Of Plunder

Nightwish: Cadence Of Her Last Breath

Nightwish: Amaranth

Metallica: Sad But True

 

Aber: Niemals würde ich ohne Buch und ohne Mann auf eine einsame Insel fahren. Eine völlig abwegige Vorstellung… :mrgreen:

 

P.S: Wer das Stöckchen aufnehmen möchte, darf es gerne tun. Mir ist heute nicht danach, es weiterzuwerfen. Nicht, dass ich noch wen… verletze. Allerdings würde es mich von meinen Neuzugängen in der Blogroll schon interessieren, was ihr so auf der Insel hört. ;-)

Mittwochnachmittag. Ich bin nervös. Ich wage mich auf völlig neues Terrain und tue etwas, was ich noch nie vorher in meinem Leben getan habe. Ich hole tief Luft, straffe die Schultern, recke das Kinn nach oben und…

 

[ Platz für Spekulationen... :mrgreen: ]

 

… betrete die Kinderabteilung der Bücherei. Zum ersten Mal ohne den dazugehörigen Junior. Ich marschiere geradewegs auf die Ecke zu, in der ich die Bücher geortet habe, die mir eine völlig neue, sehr fremde Welt näherbringen sollen. Die Welt der Handarbeiten. Das volle Programm: stricken, häkeln, nähen, sticken. Alles Worte, die mir einen Schauer über den Rücken laufen. Allerdings keinen erregten. Ich besitze zwar durchaus ein Nähkästchen, mit dem ich in der Lage bin, minimal-invasive Näharbeiten auszuführen, allerdings rühre ich den Giftkasten normalerweise lediglich an, wenn ich ihn zur Seite räumen muss, weil er mir im Weg liegt. Nun muss ich mich gezwungenermaßen - für einen Text - in diese Materie einarbeiten. Ich lasse meinen Blick hilflos über zahlreiche Bücher streifen und frage mich, was ich hier eigentlich mache. Viertelherzig blättere ich die „Handarbeiten für Kinder“ durch, während ich zwischen meinen Knien krampfhaft „Perlen – fädeln und weben“ und „Das kreative Handarbeitsbuch“ in Position quetsche.

 

Schräg hinter meinem Rücken testen zwei kleine Mädchen, wie viel Mist sie anstellen können, ehe ihr Vater – der teilnahmslos wie Prinz Valium an einem der Kindertischchen sitzt und Bilderbücher inspiziert – dem Treiben Einhalt gebietet. Die knapp Dreijährige rast wie ein Irrwisch zwischen den Bücherregalen umher, die Anderhalbjährige versucht, die oberen Etagen eines Bücherregals zu erreichen. Die erste Bitte der Bibliotheksangestellten, die Kletteraktionen einzustellen, verpufft wirkungslos zwischen unzähligen Büchern. Der kleine Mini-Messner zerrt weiter an dem Metallregal, reckt den Windelpo nach oben, stemmt den Fuß auf die unterste Regalreihe und johlt: “Öhjöjöööö”. Scharf schallt es durch den Raum: „Nehmen Sie bitte Ihr Kind von diesem Regal weg. Das habe ich doch eben schon einmal gesagt…“ Stille. Mini-Messner rüttelt weiter am Regal. Prinz Valium hebt seinen Blick von den Bilderbüchern, mustert verständnislos die Mitarbeiterin, macht keine Anstalten, den eingeschlafenen Po von seinem Kinderstühlchen zu erheben und erwidert in vorwurfsvollem Tonfall: „Das kann meine Tochter doch nicht verstehen. Dazu ist sie noch zu klein.“

 

RUMMS. „Perlen- fädeln und weben“ und „Das kreative Handarbeitsbuch“ krachen ungebremst auf den Boden. Ich denke an die Postkarte, die meinen Schreibtisch ziert: Out of my mind. Back in 5 minutes! Völlig undamenhaft drehe ich ruckartig den Kopf zu Prinz Valium herum und muss in diesem Moment ungefähr so dämlich aussehen, wie er sich benimmt. Ich glotze ihn wortlos an und bete: „Lieber Herr, schmeiß Hirn vom Himmel. Ganz schnell und ganz viel… wenigstens so viel, wie du gerade entbehren kannst…“

 

Ich hoffe sehr, dass mein Stoßgebet nicht fehlinterpretiert wurde und der arme, dumme Mann ein Stückchen von meinem Gehirn abbekommen hat. Ich habe die Bücherei nämlich mit einem Handarbeitsbuch für Kinder verlassen, in dem der ganze Mist quasi vom ersten Nadelstich an erklärt wird. Das spricht schon für eine Teilverblödung in eben diesem Bereich. Na was soll’s. Wenn Prinz Valium ein Stück von meinem Gehirn bekommen haben sollte, dann hat er hoffentlich mein Zahlengedächtnis erwischt. Das wäre eine gerechte Strafe…

 

Edit:Anscheinend wurde ein Teil meiner Worte fehlinterpretiert. :cool: Liebe Leute, ich werde ganz sicher weder beginnen, zu stricken, noch zu häkeln oder sonstige Handarbeiten - mit Nadel, Wolle oder Garn - durchzuführen. Wie ich im Text schon schrieb: Ich brauchte lediglich Informationen für einen Text, den ich schreiben muss. Ich schrieb nirgendwo, dass ich das Zeugs auch selber verarbeiten werde… :mrgreen:

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