Mittwochnachmittag. Ich bin nervös. Ich wage mich auf völlig neues Terrain und tue etwas, was ich noch nie vorher in meinem Leben getan habe. Ich hole tief Luft, straffe die Schultern, recke das Kinn nach oben und…
[ Platz für Spekulationen...
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… betrete die Kinderabteilung der Bücherei. Zum ersten Mal ohne den dazugehörigen Junior. Ich marschiere geradewegs auf die Ecke zu, in der ich die Bücher geortet habe, die mir eine völlig neue, sehr fremde Welt näherbringen sollen. Die Welt der Handarbeiten. Das volle Programm: stricken, häkeln, nähen, sticken. Alles Worte, die mir einen Schauer über den Rücken laufen. Allerdings keinen erregten. Ich besitze zwar durchaus ein Nähkästchen, mit dem ich in der Lage bin, minimal-invasive Näharbeiten auszuführen, allerdings rühre ich den Giftkasten normalerweise lediglich an, wenn ich ihn zur Seite räumen muss, weil er mir im Weg liegt. Nun muss ich mich gezwungenermaßen - für einen Text - in diese Materie einarbeiten. Ich lasse meinen Blick hilflos über zahlreiche Bücher streifen und frage mich, was ich hier eigentlich mache. Viertelherzig blättere ich die „Handarbeiten für Kinder“ durch, während ich zwischen meinen Knien krampfhaft „Perlen – fädeln und weben“ und „Das kreative Handarbeitsbuch“ in Position quetsche.
Schräg hinter meinem Rücken testen zwei kleine Mädchen, wie viel Mist sie anstellen können, ehe ihr Vater – der teilnahmslos wie Prinz Valium an einem der Kindertischchen sitzt und Bilderbücher inspiziert – dem Treiben Einhalt gebietet. Die knapp Dreijährige rast wie ein Irrwisch zwischen den Bücherregalen umher, die Anderhalbjährige versucht, die oberen Etagen eines Bücherregals zu erreichen. Die erste Bitte der Bibliotheksangestellten, die Kletteraktionen einzustellen, verpufft wirkungslos zwischen unzähligen Büchern. Der kleine Mini-Messner zerrt weiter an dem Metallregal, reckt den Windelpo nach oben, stemmt den Fuß auf die unterste Regalreihe und johlt: “Öhjöjöööö”. Scharf schallt es durch den Raum: „Nehmen Sie bitte Ihr Kind von diesem Regal weg. Das habe ich doch eben schon einmal gesagt…“ Stille. Mini-Messner rüttelt weiter am Regal. Prinz Valium hebt seinen Blick von den Bilderbüchern, mustert verständnislos die Mitarbeiterin, macht keine Anstalten, den eingeschlafenen Po von seinem Kinderstühlchen zu erheben und erwidert in vorwurfsvollem Tonfall: „Das kann meine Tochter doch nicht verstehen. Dazu ist sie noch zu klein.“
RUMMS. „Perlen- fädeln und weben“ und „Das kreative Handarbeitsbuch“ krachen ungebremst auf den Boden. Ich denke an die Postkarte, die meinen Schreibtisch ziert: Out of my mind. Back in 5 minutes! Völlig undamenhaft drehe ich ruckartig den Kopf zu Prinz Valium herum und muss in diesem Moment ungefähr so dämlich aussehen, wie er sich benimmt. Ich glotze ihn wortlos an und bete: „Lieber Herr, schmeiß Hirn vom Himmel. Ganz schnell und ganz viel… wenigstens so viel, wie du gerade entbehren kannst…“
Ich hoffe sehr, dass mein Stoßgebet nicht fehlinterpretiert wurde und der arme, dumme Mann ein Stückchen von meinem Gehirn abbekommen hat. Ich habe die Bücherei nämlich mit einem Handarbeitsbuch für Kinder verlassen, in dem der ganze Mist quasi vom ersten Nadelstich an erklärt wird. Das spricht schon für eine Teilverblödung in eben diesem Bereich. Na was soll’s. Wenn Prinz Valium ein Stück von meinem Gehirn bekommen haben sollte, dann hat er hoffentlich mein Zahlengedächtnis erwischt. Das wäre eine gerechte Strafe…
Edit:Anscheinend wurde ein Teil meiner Worte fehlinterpretiert.
Liebe Leute, ich werde ganz sicher weder beginnen, zu stricken, noch zu häkeln oder sonstige Handarbeiten - mit Nadel, Wolle oder Garn - durchzuführen. Wie ich im Text schon schrieb: Ich brauchte lediglich Informationen für einen Text, den ich schreiben muss. Ich schrieb nirgendwo, dass ich das Zeugs auch selber verarbeiten werde… 